JOSEF WALLNIG: WEIHNACHTSGRÜßE 2023 AN UNSERE GESELLSCHAFT UND GEDANKEN ZU „ET INCARNATUS EST”

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Es ist eines jener großen christlichen Glaubensgeheimnisse, die uns Gläubige mit tiefem Erstaunen und mit Dankbarkeit berühren können. Wie jeder von uns zum Glauben eine individuelle, zu respektierende Ansicht hat, so sehen wir in Mozart einen tiefen Gläubigen, der diese Geheimnisse in wunderbarer Weise in Musik umsetzen konnte. Das „Et incarnatus est“ der c-Moll Messe ist für mich das bewegendste musikalische Bild des unfassbaren Staunens über dieses göttliche Wunder: der Blick auf das neugeborene Jesuskind.

Aber wie macht das Mozart? Er wählt ein pastorales 6/8 F-Dur Kleid, so wie es die Hirten auch bei Bach und Händel benutzen. „Ex Maria virgine“: Man vermeint in wenigen Takten gleichsam Maria zu sehen und zu hören, wie sie ihr Kind liebevoll in den Armen wiegt und es in den Schlaf singt. Ein kleines Concertino von einer Flöte, einer Oboe und einem Fagott umschweben das Jesuskind in der Krippe wie jene kleinen Putti, kleine Engel, die nur aus Kopf und Flügeln bestehen und besonders liebreizend sind.

Das eigentliche musikalische Wunder besteht für mich aber in einer völlig unerwarteten harmonischen Wendung, mit der uns Mozart am Ende der „Et incarnatus est“-Sequenz dreimal überrascht. Staunen über das Unerwartete. Man glaubt, in das lächelnde Gesicht des Jesuskindes zu blicken … und erwidert dankbar dieses Lächeln.

So ist es auch mit dem Jesuskind in der Nussschale, es hat mich über 70 Jahre seit meiner Kindheit begleitet, es liegt geschützt und behütet in meiner Hand. Wenn ich sie öffne, erfahre ich die Mozart’sche Beglückung des Staunens, über die ich gerade gesprochen habe.

Es ist wohl das schönste Weihnachtsgeschenk, das wir durch Musik empfangen und weitergeben können: „Et incarnatus est“ zu hören, in der überirdisch schönen Interpretation durch Barbara Bonney. Vielleicht spiegelt sich dann darin ein kleiner Schein dessen, was wir uns weihnachtlich ans Herz legen wollen: Öffne einfach die Hand und staune!

 

Wallnig

 

W2

 

 

Barbara Bonney – Et incarnatus est“ auf YouTube an

 

https://youtu.be/E2LGb9HWSUU